gelangt. Tchelitchew, Dalí, die Bermann’s, Julien
Green haben Amerika erobert, und nicht (Rudolf
Levy, Otto von Wätjen, Grossmann, Purrmann oder
Mathes.) die randalierenden Bohemiens vom Montparnasse.
 

1948

Fortsetzung des Tagebuchs
28 april 48   Kühl. grau. Geheizt. Ohne Elektrizität.
 
2. Mai.   Bei Koval zum Abendessen. In Friedenau – einer
mir unbekannten Stadt – es hätte ebensogut Moskau
oder Stalingrad sein können. K. erzählt mir, sein Verleger
habe ihm dringend angeraten, zu seinen in einer demnächst
erscheinenden Publikation veröffentlichten Lebensdaten auch
die Daten seiner militärischen Dienstzeit zu setzen. Befragt,
warum, habe er erfahren, dass bei jedem jüngeren Autor diese
Lebensdaten von Wichtigkeit seine, brieflich sogar gefordert
würden. – Es lebe der nicht auszurottende militärische Geist
der Deutschen! Waren Sie Soldat? Erste Frage.
Die Leistung kommt erst viel später hinten nach.
 
5 Mai.   In einem in d. „Neuen Zeitung“ erschienen Artikel
von Hans Mersmann: „Das Stenogramm in der Kunst“
finde ich das treffende Wort von der „Verkürzung der
künstlerischen Aussage“. (Das Wort stammt übrigens
von Rilke. [Brief an Manny von Escher vom 22.12.23])
Das ist es, was ich suche, verbinden mit dem „Dauerhaften
wie die Kunst der Museen“, von dem Cézanne spricht.
Wir kommen also auf die „Dauerhafte Verkürzung“ – eine
Formulierung, die mir an diesem schönen, wenn auch grauen,
Maimorgen bestechend erscheint. Vielleicht hat
Rouault in seinen kleinen Bildern etwas von diesem
Komplex gefunden. Auch Segonzac hat es versucht, mit
weniger Glück, und Derain schwebt es vor. Es liesse
sich über diese „museale Tendenz in der modernen Kunst“